Momo Kadous präsentiert

 

ZARO

 

Ein orientalisches Tanztheater

um Liebe

und Besessenheit

 

Ein Dorf in Ägypten, eine Harah (Wohngasse): die junge Roh´ soll verheiratet werden. Die Hochzeitsvorbereitungen sind bereits in vollem Gange. Gäste, Musikanten und Tänzer sind eingetroffen, das Henna wird zubereitet.
Da geschieht das Unerwartete, ja Unerhörte: die Braut ergreift die Flucht, gerät außer sich, weigert sich, ihren Bräutigam zu ehelichen.
Die Frauen, Freundinnen und Nachbarinnen versuchen Roh´ zur Vernunft zu bringen, doch ohne Erfolg. Ihre Mutter Kodia ist verzweifelt. Ein gesellschaftlicher Eklat droht. Der Bräutigam versteht die Welt nicht mehr, fühlt sich zurückgewiesen.
Was ist geschehen?
Nur ihren Körper könne Habib, der Bräutigam, zur Frau bekommen, läßt Roh´ ihn wissen. Ihre Seele sei von einem anderen besetzt, sei dazu verdammt, bei ZARO, dem bösen Gott der Unterwelt, zu leben.
Da begreifen die Anwesenden: ZARO hat wieder einmal zugeschlagen und von einer Frau Besitz ergriffen.
Doch dies ist kein gewöhnlicher Fall von Besessenheit. Roh´ ist kein gewöhnliches Opfer.
Niemand anderer als Ihre Mutter Kodia ist im Dorf die kundige Heilerin, wenn es darum geht, besessene Frauen zu heilen. Sie leitet die Reinigungsrituale an, sie kennt ZARO seit langem, sie kennt seine Geister, jeden Rhythmus, mit dem jeder von ihnen zu bändigen ist. ZARO ist ihr größter Widersacher, ihr Gegenspieler und Erzfeind. Und niemand anderes als ihre Tochter Roh´ sollte irgendwann diesen Beruf übernehmen, wie es in der Tradition üblich ist.
Zunächst scheint jeder Appell an Roh´ aussichtslos. Scheinbar willenlos geworden, zieht es Roh´ wie magisch in die Unterwelt, zu ZARO, der in seinem steinernen Tempel tief im Berginneren haust. Dort trifft sie auf Habuba, die Schwester des ZARO und ihre Geister. Sie lehnt ab, sich mit all den furchterregenden Bewohnern der Unterwelt zu befassen, doch umso mehr ist sie deren Marionette.
Während in der oberen Welt Kodia und Roh´ Bräutigam Habib alles in Bewegung setzen, um Roh´ zurückzuholen, beginnt diese sich mit ZARO anzufreunden.
Die Hochzeitsvorbereitungen nehmen ihren Lauf mit Tanzvorführungen aller Art. Doch nun wird ein Zar-Ritual angesetzt, um Roh´ in die Gemeinschaft zurückzuführen.
In diesem dramatischen Finale wird der Kampf gezeigt zwischen den widerstreitenden Kräften - ihren Gefühlen oder der Gesellschaft - , die Roh´s habhaft werden wollen. Die Lösung kann jedoch nur sein, daß Roh´ sich selbst befreit und aus freien Stücken wählt, wohin sie gehen will. Sie wird den Kampf in sich selbst entscheiden.

Soweit der Inhalt des "Festival Art Oriental ´97". Momo Kadous als Regisseur und Produzent dieses Tanztheaters wird damit in bewährter Tradition neue Maßstäbe setzen und ein neues Kapitel in der Geschichte des orientalischen Tanzes in Europa aufschlagen.
Das Thema des diesjährigen Festivals, die "Besessenheit" von Frauen durch "böse" Geister und die Rituale, durch die sie von ihnen befreit werden, gehört in vielen Ländern der dritten Welt zum Volksglauben.
Das ursprünglichste der vielfältigen Heilungs- und Reinigungsrituale ist der "Zar", eine Zeremonie, die aus Zentralafrika stammt und sich seit dem späten 19. Jahrhundert in Ägypten verbreitet hat und noch heute im einfachen Volk regelmäßig durchgeführt wird.
"ZARO", die Geschichte des diesjährigen Festivals, handelt vom tieferen Sinn dieses Spiels um Liebe und Besessenheit.
Momo knüpft mit dieser Idee an einem alten Wunsch von Dietlinde Bedauia Karkutli, der Begründerin des Studios und Tanztheaters ARABESKA an, geht jedoch in seinem Theaterprojekt weit über die tänzerische Darstellung einer bloßen Zar-Zeremonie hinaus. Hierbei ist es Momos Anliegen, die Tradition psychologisch verständlich zu machen und gleichzeitig - angeregt durch engagierte Diskussionen im ARABESKA- Team - mit modernen, aufgeklärten Augen darzustellen.
Der neue Ansatz in Momo´s Regiekonzept sieht die Überwindung der traditionellen Lösung vor, die in der Aufspaltung von Gut und Böse besteht. Es wird gezeigt, daß das sogenannte "Böse" auch als Symbol für die unterdrückte weibliche Sexualität gesehen werden kann und eine wahre Befreiung zur Liebe nur möglich ist, wenn alle Wünsche, Sehnsüchte und Begierden in der eigenen Person vereint werden.
Baro, so heißt es in der Legende, war einst ein verehrter afrikanischer Gott, der durch die Christen entthront wurde und seither ein Leben im Untergrund führen muß. Da die Menschen ihm ihre Liebe entzogen, kann er sich nur noch dadurch bemerkbar machen, in dem die böse Seite seiner Seele, nämlich Zaro, von Frauen Besitz ergreift und seine Macht auf diese Weise ausübt. Die verleugnete Sexualität durch die rigide christliche und islamische Moral wird durch diese Legende noch besonders deutlich. Roh´ (die Übersetzung des Namens bedeutet "Seele") kann ihren Bräutigam Habib ("Liebling") in der oberen Welt nicht heiraten, denn am Tage ihrer Hochzeit ergreift Zaro von ihr Besitz. Sie muß hinab in die Unterwelt. In der psychologischen Übersetzung heißt das, daß sie sich in jenen Bereich begeben muß, der ihre abgespaltenen und verleugneten Gefühlsanteile repräsentiert. Dort, im Bergbauch, d.h. in einem regressiven Seins-Zustand, wirken die bislang verdrängten Wachstumskräfte in beängstigender Fülle, die Triebnatur bricht hervor, Entwicklungswege werden gesucht. Es ist jenes Stadium des ambivalenten inneren Zustandes, das jede und jeder auf dem Weg der vollen Persönlichkeitsentwicklung durchmachen muß.
Roh´s Mutter Kodia hingegen kann man begreifen als eine Frau, die ihre Tochter nicht freigeben will, die die Symbiose erhalten will über die formale Trennung durch die Hochzeit hinaus. Sie kämpft für die Erhaltung der gesellschaftlichen Konventionen, repräsentiert somit auch das Über-Ich, die moralische Instanz, der Tochter. Roh´ muß sich freikämpfen von den diktatorischen Ansprüchen ihrer Mutter und der sie umgebenden Gesellschaft und den Mut aufbringen, selbstverantwortlich als Frau ihr Leben zu leben.

Für dieses außergewöhnliche Spektakel kreiert Momo wieder eine eigene Komposition, die, wie bereits für das vergangene Festival geschehen, von Bassem Ayoub vertont und arrangiert wird. Die bewährte Zusammenarbeit der beiden Künstler garantiert eine maßgeschneiderte Suite, die perfekt auf die Choreographie zugeschnitten ist.
Musik und Gesang sowie der orientalische Tanz in verschiedenen Spielarten, dargestellt durch Künstler aus verschiedenen Sparten und Ländern und nicht zuletzt der Einsatz modernster Beleuchtungstechnik werden in diesem Tanztheater zu einem modernen orientalischen Gesamtkunstwerk vereint.
Die Hauptrollen werden dargestellt von Havva als Roh, Sayed el Joker aus Kairo als Zaro, Gamal Seif als Habib und Rita Sherif als Kodia.
Desweiteren wirken mit: Asmahan als Habuba, Tahia als Harah-Chefin el Mealima, Ghazala in der Rolle eines besonderen Geistes, Magdy el Leisy und Magdy Youns als männliche Geister, Soraya als Windgeist, Shayma als außergewöhnlich ausdrucksvolle Tänzerin in der Unterwelt, Raymondo von Las Piranhas, Ayun aus Ingolstadt und Seetha aus Fürth als Mitgliederinnen der Awalim-Gruppe, Ibrahim Abu Hassan und Musiker sowie Mitgliederinnen des Studios ARABESKA: Sula, Christina, Ute, Alexandra.
(Änderungen vorbehalten)

Regie, Produktion sowie Choreographie und Liedertexte: Momo Kadous.

 

ZARO

Fotos: Nr. 1, 2, 4 : Daniela Incoronato; Nr. 3 : Günter Dietz, TANZOriental

Kontakt:

Momo Kadous
c/o Studio Arabeska
Kleyerstrasse 90
D-60326 Frankfurt/Main
Tel/Fax: 069-732323